Aktuelles
Zum Berliner Konflikt- und Gewaltbarometer
Am 22.06.2026 wurde das Berliner Konflikt- und Gewaltbarometer veröffentlicht – eine erstmals so umfassend angelegte Untersuchung zu Konflikten und Gewalt an Schulen, an der 14.115 Schüler*innen der Klassenstufen 6, 9 und 12 sowie aus beruflichen Schulen sowie 2.579 Lehrkräfte teilgenommen haben.
Einige der zentralen, veröffentlichten Ergebnisse sind:
- Für 56% der befragten Lehrkräfte ist Gewalt an Schulen ein großes bis sehr großes Problem an. Dabei besteht ein Unterschied in den Schulformen: Grundschulen, Gemeinschaftsschulen und ISS ohne Oberstufe sind deutlich stärker betroffen als Gymnasien und berufliche Schulen.
- Wichtigste Ursache der verbreiteten und zunehmenden Gewalt unter Schüler*innen sei eine geringer gewordene Impulskontrolle und Frustrationstoleranz, die dazu führten, dass Konflikte schneller eskalieren (Zustimmung bei 80% der Lehrkräfte). Die Abnahme der Impulskontrolle sei insbesondere unter Schüler*innen an Grundschulen besonders verbreitet.
- Darüber hinaus sei eine “Normalisierung” von Gewalt festzustellen: Viele Arten gewaltförmiger Interaktion wie Anschreien, Schubsen oder jemanden Auslachen würden von Schüler*innen der Klassenstufen 9 und 12 mehrheitlich als unproblematisch empfunden („Das ist nicht so schlimm“ sagen 71% bzw. 60% bzw. 57% der befragten Schüler*innen der 9.-12. Klassenstufen).
Als Fachstelle proRespekt begrüßen wir die Veröffentlichung der ersten Ergebnisse aus dem Berliner Konflikt- und Gewaltbarometer. Sie sind eine wichtige Ergänzung zu den bereits vorliegenden Befunden zu Jugendgewalt in Berlin, wie dem Berliner Monitoring Gewaltdelinquenz, das bereits 2023 auf die Verjüngung von Gewalt hinwies. Auch ergänzen die Ergebnisse die Einschätzungen von Lehrkräften zu Herausforderungen an Schulen, wie beispielsweise aus dem Deutschen Schulbarometer, um berlinspezifische Aussagen.
Wir sind gespannt auf die Veröffentlichung der gesamten Studie, weil der bisherige Einblick noch viele Fragen offenlässt, z.B. zu weiteren Einschätzungen der befragten Kinder und Jugendlichen hinsichtlich ihres Wohlbefindens und ihrem Schutz in Schule oder inwiefern sich Einschätzungen befragter Lehrkräfte und (sozial-)pädagogischer Fachkräfte zueinander verhalten, denn es sind zumeist Schulsozialarbeitende, aber auch Psycholog*innen an Schule, die mit den Kindern, Jugendlichen und ihren Familien sprechen und arbeiten, wenn es zu Konflikten oder Gewaltvorfällen in Schule kommt.
Das Landesprogramm „proRespekt – gewaltfreie Schulen demokratisch gestalten“ unterstützt und begleitet seit 2019 Grund- und weiterführende Schulen bei ihrer Schulentwicklungsarbeit zu Gewaltprävention und Demokratiebildung. Nach sechs Jahren Programmarbeit zeigt sich, dass unser Ansatz wirkt: Schulen berichten von einem Rückgang von Gewaltvorfällen, einem spürbar besseren Schulklima, einer stärkeren Beteiligung von Schüler*innen am Schulleben sowie einer höheren Identifikation mit ihrer Schule. Durch die gezielte Förderung sozialer Kompetenzen gewinnen Kinder und Jugendliche an Handlungssicherheit und Konfliktlösungs- und Kommunikationskompetenzen. Konflikte werden früher erkannt, konstruktiver bearbeitet und häufiger gewaltfrei gelöst.
Was braucht es dafür? Die proRespekt-Schulen profitieren davon, dass bis zu zwei proRespekt-Coaches für fünf Jahre ihre Schulkollegien verstärken. Doch der Schlüssel ist ein anderer: es ist die gemeinsame Verantwortungsübernahme durch das Kollegium für ein gewaltfreies, wertschätzendes und beteiligungsorientiertes Miteinander in Schule. Entscheidend ist die verbindliche Umsetzung der Orientierungs- und Handlungsrahmen Gewaltprävention und Demokratiebildung, getragen von der Schulgemeinschaft, fächer- und professionsübergreifend umgesetzt. Die Verankerung sozialen Lernens in den schulinternen Curricula kann ein erster Schritt sein, um alle Lehrkräfte einzubinden, die Verantwortung für die Kompetenzförderung im Bereich Gewaltprävention auf vielen Schultern zu verteilen und im Kollegium mehr Handlungssicherheit und Entlastung zu erzielen.
Schule muss ein Schutzraum vor Gewalt, ein Verantwortungsraum beim Umgang mit Gewalt sowie ein Lernraum für ein demokratisches, gleichwürdiges Miteinander ohne Gewalt sein. Berlin hat schon vor Jahren den fachlichen, gesetzlichen und programmatischen Rahmen geschaffen – u.a. durch die Verankerung von Gewaltprävention und Demokratiebildung im Rahmenlehrplan, durch die Verbindlichkeit, schulische Schutzkonzepte zu erarbeiten, Klassenräte umzusetzen und schulische Mitbestimmung in allen Altersstufen zu ermöglichen sowie auch durch den flächendeckenden Ausbau von Schulsozialarbeit oder die Entwicklung eines thematisch fokussierten Schulentwicklungsprogramms wie proRespekt. Und doch sind die Ergebnisse des Berliner Konflikt- und Gewaltbarometers, wie sie sind.
Insofern freuen wir uns über die Ankündigung der Senatorin für Bildung, Jugend und Familie, anhand der Ergebnisse gemeinsam mit der Schüler*innen- und Elternvertretung des Landes sowie den Schulleitungsverbänden konkrete Maßnahmen zu entwickeln. Auch wir stehen bereit, anhand unserer Expertise und Praxiserfahrungen mitzuwirken.
In Lichtenberg hat unsere proRespekt-Pilotin gemeinsam mit vielen Akteuren seit 2023 jährliche Fachtage zu Würde bzw. Solidarität und Empowerment veranstaltet, um die aktuellen Diskriminierungen und Ausgrenzungen im Rahmen der Arbeit mit jungen Menschen in den Fokus zu nehmen.
Die gesellschaftlichen Rechtsentwicklungen und sozial immer prekärer werdenden Verhältnisse nehmen bundesweit weiter zu, auch vor dem Hintergrund der anstehenden Berlin-Wahl im September 2026. Diese Herausforderungen betreffen Kinder und Jugendliche in einem speziellen Maße und setzen auch Fachkräfte weiterhin vor große Herausforderungen. Mit einer neuen Veranstaltungsreihe in 2026 wird sich für eine würdevolle und solidarische Gesellschaft eingesetzt. Fragen die uns beschäftigen:
Wie können wir junge Menschen mit Solidarität und Empowerment weiter stärken, wenn Armut, Rassismus und extrem rechte Positionen immer wahrnehmbarer und bedrohlicher werden? Und was bewegt mich als Fachkraft an diesen Themen und im professionellen Umgang damit?
Kolleg*innen aus Schule und Jugendarbeit sind herzlich eingeladen, Methoden und Handlungsansätze zur Stärkung in der Bildungsarbeit kennenzulernen und auszuprobieren.
Unterwegs in Berlin für ein gewaltfreies Schulklima
Einer neuer Film gibt Einblick in das Tätigkeitsfeld der proRespekt-Pilot*innen.
Ein Film von ROCC FILM
Eine Produktion der Fachstelle proRespekt ©2025
Die Rechte an diesem Film liegen bei Gangway – Straßensozialarbeit in Berlin e. V., der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie, der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung und Violence Prevention Network gGmbH.
Seit Mai 2023 stellen wir zusätzlich auch auf Instagram aktuelle Aktivitäten und Informationen ein. Über einen Besuch freuen wir uns.

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