Die Kolibri-Grundschule im Bezirk Marzahn-Hellersdorf

Mit Schüler*innenaufsichten Konflikte dezimieren

© Kolibri-Grundschule

Ausgangslage

Pausensituationen an der Kolibri-Grundschule im Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf können chaotisch sein. Kinder bekommen Nasenbluten vor Aufregung, schlagen sich beim Fußball das Knie auf oder stürzen bei einer Rauferei. Zudem kommt es manchmal vor, dass Konflikte, die sich im Laufe des Tages angestaut haben, auf dem Pausenhof ausgetragen werden. Nicht immer kann das Lehrpersonal eine solche Situation rechtzeitig verhindern. Die Schüler*innenaufsicht schafft hier Abhilfe. Streitenden wird Hilfe zur Deeskalation angeboten. Und sollte es doch einmal Schürfwunden und Beulen geben, werden die Verletzten ins Sekretariat begleitet.

Umsetzung

Um Konflikte gut zu managen, ist es wichtig, auf jede Phase vorbereitet zu sein:

  • In der Anfangsphase eines Konflikts können die Schüler*innenaufsichten intervenieren und nachfragen, ob es sich um einen ernstzunehmenden Streit oder um eine spielerische Auseinandersetzung handelt.
  • In der Hochphase, wenn sich ein Konflikt bereits in einer verbalen oder physischen Auseinandersetzung befindet, sprechen die Schüler*innenaufsichten die involvierten Schüler*innen an und bieten Lösungsvorschläge.
  • In der abklingenden Phase bleiben die Schüler*innenaufsichten bei den zuvor Streitenden, da Konflikte sich erneut entfachen können.

Um die Konfliktphasen zu erkennen und entsprechend zu reagieren, brauchen die Aufsichten eine gute Ausbildung. Diese beginnt im ersten Halbjahr der 4. Klasse. Ab dem zweiten Halbjahr laufen „die Neuen“ dann mit den älteren, bereits erfahrenen Schüler*innenaufsichten mit. Im 5. Und 6. Schuljahr sind sie selbstständig.

Bei der dreitägigen Ausbildung werden Themen wie Verantwortung, Gewaltprävention oder Deeskalation kindgerecht aufbereitet und folgende Aspekte auf spielerische Art vermittelt:

  • Verstehen, wie Konflikte entstehen und ablaufen,
  • Aggression erkennen, verstehen und managen,
  • Gestik und Mimik analysieren und selbst aktiv einsetzten,
  • Gefühle verstehen und beeinflussen,
  • Erste Hilfe erlernen.

Der Umgang mit körperlichen Situationen soll in Zukunft ergänzt werden, um die Schüler*innenaufsichten auch darauf vorzubereiten. Die Ausbildung zur Schüler*innenaufsicht kommt gut an – nicht nur, weil die Teilnehmer*innen zusätzliche Ausflüge und Snacks bekommen. Oftmals kommen Schüler*innen im Laufe der Ausbildungsperiode hinzu, weil sie sehen, wie viel Spaß es den anderen Kindern macht.

Ergebnis

  • Auf der individuellen Ebene wird schnell sichtbar, wie sich Kinder durch das Projekt verändern – vor allem weil auch Schüler*innen, die selbst oft in Auseinandersetzungen verwickelt sind, sich ausbilden lassen. Gerade sie haben vielfach ein besonders gutes Gespür für Konflikte und deren Lösungen.
  • Auf gemeinschaftlicher Ebene verändert sich sowohl das Verhalten auf dem Pausenhof als auch in den Klassen. Kinder tragen das Gelernte weiter und inspirieren ihre Mitschüler*innen, sich mit Themen wie Solidarität, Gemeinschaft und Gewaltprävention auseinanderzusetzen.
  • Auf institutioneller Ebene zeigt sich eine positive Veränderung der Klassengefüge, denn die Schüler*innenaufsichten bringen sich auch in anderen Bereichen der Schule ein und gestalten diese mit. Sie übernehmen beispielsweise Ämter wie Klassen- oder Schulsprecher*in.

Ausblick

Das Wirken der Schüler*innenaufsichten sorgt für positive Veränderungen im schulischen Miteinander. Das Projekt wird kontinuierlich fortgesetzt; jährlich sollen weitere Schüler*innenaufsichten ausgebildet werden. Wir wollen das Projekt gern auch an anderen Schulen bekannt machen und andere Kinder ebenso von der Ausbildung begeistern wie die Kolibris in Marzahn-Hellersdorf.

Infos zur Schule

Die im Bezirk Marzahn-Hellersdorf gelegene Kolibri-Grundschule legt großen Wert auf ein positives Schulklima: Gewaltfreies Zusammenleben und friedvolles Lernen stehen hier im Vordergrund. Zudem legt die Schule den Fokus auf eine intensive Zusammenarbeit aller am Schulleben beteiligten Gruppen. So soll gewährleitstet werden, dass die Kinder in ihrer gesamten Zeit an der Schule positive Lernerfahrungen machen. Auch bildet das respektvolle Miteinander eine Grundlage dafür, jedes Kind zu achten und wertzuschätzen.

Kontakt

Seit 2021 ist proRespekt-Coach Kai-Uwe Pfeffer an der Kolibri-Grundschule. Er übernahm das Projekt „Schüler*innenaufsichten“ und intensivierte es durch geeignete Ausbildungen und Begleitungen.